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Die Geschichte der Mundharmonika - kurzgefasst

Sheng. Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sheng_(Chinese_mouth_organ).jpg Autor: seasonaldemand. CC 3.02700 vor Christus: Schon mindestens seit dieser Zeit spielt man in China das Instrument "Scheng". Die Erfindung dieses Instruments wird dem Kaiser Nyn-kwa zugeschrieben. Die Tonerzeugung geschieht hier auf ähnliche Weise wie bei der Mundharmonika nach dem Prinzip der "durchschlagenden Zungen". Durch Hineinblasen werden die Stimmzungen in Bewegung versetzt und erzeugen einen Ton. Beim Scheng gibt es allerdings nur Blastöne und die Stimmzungen sind aus Bambus. Die Gelehrten streiten sich darüber, ob sich die Europäer das Prinzip tatsächlich bei den Chinesen abgeschaut haben oder ob es sich bei der Mundharmonika eher um eine eigenständige Erfindung handelt.

1619 nach Christus: Praetorius beschreibt in seinem Buch "De organographia" zum ersten Mal in Europa das Prinzip der "freischwebenden" Zungen.

um 1780: Der Kopenhagener Physiker Christian Gottlieb Kratzenstein baut auf der Basis der durchschlagenden Zungen eine "Sprechmaschine". In den folgenden Jahren wird das Prinzip übertrug der böhmische Orgelbauer Kirsnik auf die Orgel. Viele Instrumentenbauer, darunter auch Johann David Buschmann (1775 bis 1852) bauen Musikinstrumente nach diesem Prinzip (z.B. das Terpodion).

1821: Christian Friedrich Buschmann entwickelt im zarten Alter von 16 Jahren ein Instrument, "vier Zoll groß mit fünfzehn Stahlzungen" und nennt es Mundäoline bzw. Aura. Zunächst verwendet er es als Hilfsmittel zum Klavierstimmen - aber dann verwendet er es auch als Musikinstrument. Buschmann versah sein Instrument später mit einem kleinen Blasebalg - die Handharmonika war geboren! Lange galt Buschmann als der "Erfinder" der Mundharmonika.
Heute geht man davon aus, dass in den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Mundharmonika wohl gleichzeitig an mehreren Orten, "erfunden" wurde. Vermutlich hat sie sich von Wien aus nach Deutschland verbreitet, auch nach Trossingen, wo sie gebaut und weiterentwickelt wurde. Frühe Wiener Betriebe waren Thie, Bruckbauer, Brunnbauer.

1825: Joseph Richter entwickelt die Mundäoline weiter und ordnet die Stimmzungen so an, dass Blas- und Ziehtöne unterschiedliche Töne (und Harmonien) hervorbringen. Auf diesem System basiert die "Blues Harp" noch heute.

1827: In Trossingen baut Christian Messner als erster hochwertige Mundharmonikas. Sein Neffe Christian Weiss geht später bei ihm in die Lehre und war damit der erste "ausgebildete" Mundharmonikamacher in Trossingen. Das Geheimnis der Herstellung (damals noch in Handarbeit) wird in der Familie gehütet. Später macht sich Christian Weiss selbständig.

1828: Auch in Knittlingen (ebenfalls in Württemberg gelegen) beginnt Friedrich Hotz mit der Mundharmonika-Produktion; einige Jahrzehnte später auch Peter Pohl.

1829: Mit Wilhelm Glier beginnt die Mundharmonika-Produktion in Klingenthal.

1847: Christian August Seydel gründet in Klingenthal eine Firma, die Mundharmonikas produziert. Nach einer wechselvollen Geschichte während der DDR-Zeit  existiert die Firma auch heute noch bzw. wieder. Seydel ist somit der weltälteste noch existierende Hersteller von Mundharmonikas! Weitere, oft vergleichsweise kleine Betriebe entstehen in Klingenthal und Umgebung (auch auf der böhmischen Seite), so z.B. Rauner, Schlott, Böhm, Meinel, Spranger u.a.

1857: Der Uhrmacher Matthias Hohner (1833-1902) interessiert sich für die Herstellung von Mundharmonikas. Er schaut unter einem Vorwand seinem Schulkameraden Christian Weiss über die Schulter. Als die Familie Weiss den Verdacht der Betriebsspionage wittert, verweist sie Hohner des Hauses. Dieser beginnt kurz darauf mit der Herstellung eigener Mundharmonikas - zunächst mit einer Jahresproduktion von rund 700 Stück. Hohner importiert schon früh in die USA. Neue Maschinen werden entwickelt oder eingekauft. Schon zu Lebzeiten von Matthias Hohner produziert die Firma mehrere Millionen Mundharmonikas. Das leichte und billige Instrument wird in den Vereinigten Staaten populär. In den folgenden Jahrzehnten wird das Instrument für den "Blues" entdeckt.

1867: Andreas Koch gründet in Trossingen seine Mundharmonika-Fabrik und wird in wenigen Jahren zum nächstgrößten Hersteller nach Hohner. Um 1909 kauft die Firma Hohner die Knittlinger Firmen Hotz und Pohl sowie den Trossinger Betrieb Chr. Messner. Im Jahr 1924 kauft Hohner die Trossinger Firma Kratt (deren Besitzer nach Amerika auswandert und dort als William Kratt ebenfalls Mundharmonikas herstellt). 1928 wird auch die Firma Chr. Weiss und 1929 die Firma Andreas Koch von Hohner aufgekauft.

ca. 1920: Die chromatische Mundharmonika wird erfunden. Zuerst war die Schieberfeder noch außen angebracht, Ende der 1920er Jahre dann bei Hohner nach innen verlegt. Seither ist auch klassische Musik und Jazz auf der Mundharmonika möglich.

Bildquelle "Scheng": commons.wikimedia.org (Autor "seasonaldemand", CC 3.0). Bearbeitet.
Informationsquellen: Wikipedia-Artikel zu Hohner, Seydel, Mundharmonika, Sheng.
 


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